GTÜ: Mehr Pkw mit schweren Mängeln unterwegs
Erstellt von ub am 13. April 2010
Die Zahl der Pkw mit schwerwiegenden Mängeln auf Deutschlands Straßen hat weiter zugenommen. Trotz Abwrackprämie ist die Quote im Vergleich zum Vorjahr auf 17,6 Prozent gestiegen.
Bezogen auf die insgesamt 42 Millionen zugelassenen Pkw bedeutet dies, dass rund
8 Millionen Fahrzeuge mit „erheblichen Mängeln“ unterwegs sind. Dies ist das besorgniserregende
Ergebnis des am Freitag auf der AMI in Leipzig vorgestellten GTÜ-Mängelreports für das Jahr 2009.
„Das Plus an Neufahrzeugen durch die staatliche Prämie hat bislang keine
signifikanten Auswirkungen auf die Mängelstatistik und wird sich erst in
den Folgejahren bemerkbar machen“, so Rainer de Biasi, Geschäftsführer
der GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung. „Insgesamt sind aber
dank der Abwrackprämie rund 4 Millionen Fahrzeugmängel in der Schrottpresse
gelandet. Zudem hat sich der Sicherheitsstandard auf unseren
Straßen durch die rund zweiMillionen Neufahrzeuge deutlich erhöht.“
Keine Entwarnung bei Mängelzahlen trotz Abwrackprämie
Bei den von der GTÜ im Jahr 2009 im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU)
geprüften Pkw waren insgesamt 51,8 Prozent mit Mängeln unterwegs.
Dies entspricht einem leichten Rückgang von rund zwei Prozentpunkten im
Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Angesichts der weiteren Zunahme der
gravierenden Fahrzeugmängel auf 17,6 Prozent geben die GTÜ-Prüfingenieure
jedoch keine Entwarnung. „Die Jahr für Jahr steigende Zahl der Pkw
mit erheblichen Mängeln bis hin zur Verkehrsunsicherheit ist besorgniserregend.
Diese Fahrzeuge erhöhen das Unfallrisiko erheblich“, gibt Rainer
de Biasi zu bedenken. „So ist beispielsweise jedes sechste Fahrzeug auf
unseren Straßen mit defekten Bremsen unterwegs.“
Rückkehr in die Werkstatt
Erfreulich ist die Zunahme der Pkw, die ohne jegliche Beanstandung die
Hauptuntersuchung absolvieren. Die Zahl der mängelfreien Fahrzeuge
stieg 2009 um zwei Prozentpunkte auf 48,2 Prozent (Vj. 46,3). Ein Indiz
dafür, dass die Fahrzeughalter mit ihren Pkw zu Service und Reparatur
wieder vermehrt in die Werkstatt fahren. „Einigen Autofahrern ist offenbar
bewusst geworden, dass sich die Geiz-ist-geil-Mentalität in Sachen Sicherheit
nicht auszahlt“, so der GTÜ-Geschäftsführer. Verschlechtert haben sich
dagegen die nicht werkstattgeprüften Fahrzeuge. Bei ihnen nahm die
Anzahl der Mängel pro Auto weiter zu.
Sorgenkinder Elektrik und Bremsen
Klarer Spitzenreiter in der aktuellen GTÜ-Statistik ist über alle Altersklassen
hinweg mit 23,6 Prozent (Vj. 23,5) die Mängelgruppe „Beleuchtung und
Elektrik“. Auf Platz zwei folgen die Mängel an der „Bremsanlage“ mit
18,1 Prozent (Vj. 17,7).
Den dritten Platz belegen „Achsen/Räder/Reifen/Aufhängungen“ mit
17,1 Prozent (Vj. 17,5).
Auf Platz vier liegen “Umweltbelastungen“ wie Motorabgase, Ölverluste,
Lärmentwicklung etc. mit 16,6 Prozent (Vj. 16,7) und auf Platz fünf landen
mit 13,1 Prozent (Vj. 13,6) „Sonstige Mängel“ (Scheibenwischer, Windschutzscheibe,
Scheibenwaschanlage, Außenspiegel etc.). Schlusslicht auf
der Liste sind Mängel an „Fahrgestell/Rahmen/Aufbau“ mit 11,5 Prozent
(Vj. 11,1).
Viele Mängel mit hohem Alter
Das durchschnittliche Alter der Pkw auf unseren Straßen ist leicht rückläufig
und liegt aktuell bei 8,1 Jahren. Im Zuge der Abwrackprämie wurden
rund zwei Millionen Fahrzeuge mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren
verschrottet.
Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der erheblichen Mängel bei
Personenwagen steil an. Wie schon in den vergangenen Jahren sind ältere
Fahrzeuge über neun Jahre – das sind 17 Millionen Pkw – besonders auffällig.
71,4 Prozent (Vj. 72,4) dieser Pkw waren 2009 mit Mängeln behaftet,
rund 25,8 Prozent (Vj. 25,1) Prozent mit erheblichen Mängeln oder sogar
verkehrsunsicher – ein gutes Viertel aller Pkw dieser Altersklasse!
Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen alten und neuen Fahrzeugen
im GTÜ-Mängelvergleich. Während die Prüfer der GTÜ bei Autos
mit einem Alter bis drei Jahre an 100 Pkw knapp 20 Mängel fanden, spürten
sie in der Altersgruppe über neun Jahre an die 230 Mängel pro 100 Fahrzeuge
auf – fast das Zwölffache! Bei diesen Fahrzeugen waren über 71 Prozent
mit Mängeln unterwegs, knapp 26 Prozent davon sogar mit gravierenden
technischen Problemen.
GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH
Hans-Jürgen Götz, Fon: 0711 97676-620, E-Mail: hans-juergen.goetz@gtue.de
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