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Autos ohne Lenkrad, ohne Pedale und ohne Fahrer

Weltweit arbeiten Politiker an neuen Regeln für autonom fahrende Autos, wobei die USA – wenn auch mit unterschiedlichen Vorschriften in den unterschiedlichen Bundesstaaten – als Wegbereiter für die automatische Fortbewegung an der Spitze liegen. In einem Punkt sind sich aber viele Vorschriften einig:

Ein Mensch sollte stets in Reichweite sein, um im Notfall einzugreifen. Nicht so im Bundesstaat Michigan mit seiner Autometropole Detroit. Dort herrscht neuerdings die große Freiheit auf öffentlichen Straßen.

Die im US-Bundesstaat Michigan eher seltenen Touristen aus Übersee dürften demnächst ihr blaues Wunder erleben. Vielleicht kommt ihnen auf der Atwater Street am Detroit River ein fahrerloses Auto ohne Insassen entgegen. Oder auf dem Weg vom Edward Hotel zur gegenüberliegenden Zentrale von Ford biegt ein Fahrzeug um die Ecke, in dem vier Leute Zeitung lesen und niemand am Lenkrad sitzt, weil das Auto keins hat.

Science Fiction? Keineswegs. Gouverneur Rick Snyder setzte jetzt mit seiner Unterschrift das weltweit fortschrittlichste Gesetz zum Betrieb von autonom fahrenden Autos auf öffentlichen Straßen in Kraft. Zur Zeit existieren in den USA in fünf der 50 Bundesstaaten unterschiedliche Regularien, die sich mit dem automatischen Fahren auseinandersetzen: Kalifornien, Nevada, Tennessee, Florida und Michigan – und mit der Hauptstadt Washington der District of Columbia, der nicht den Status eines Bundesstaates hat.

Michigan geht in dieser Beziehung nun am weitesten. Hier ist es jetzt erlaubt, dass die Autos ohne Lenkrad, Pedale oder Menschen auf öffentlichen Straßen unterwegs sein dürfen. Damit öffnet Gouverneur Snyder die Tür für Selbstbedienungs-Taxis wie sie zum Beispiel das Unternehmen Uber jüngst zusammen mit Volvo auf die Straßen von San Francisco brachte. Die Behörden dort zogen sie aber aktuell aus formalen Gründen jetzt wieder aus dem Verkehr obwohl die Fahrzeuge stets einen Menschen zur Überwachung an Bord hatten. In Detroit dürften sie sogar ohne Aufpasser fahren, müssten allerdings zertifiziert werden.

US-Medien vermuten, dass Snyder mit seinem revolutionären Gesetz die Rolle der Automobilindustrie rund um Detroit stärken will. Nicht nur ihm ist die führende Rolle der Forscher und Entwickler im kalifornischen Silicon Valley auf dem Gebiet autonomer Fahrzeuge schon lange ein Dorn im Auge. Kein Wunder, dass Michigans und Detroits sogenannte „Self Driving Revolution“ von den großen Drei – General Motors, Ford und Fiat-Chrysler – begrüßt wird.

„Michigan ist das Automobilzentrum der Welt“, hatte Snyder schon im Sommer 2016 lautstark behauptet. „Durch die Tests automatisierter, fahrerloser Autos werden wir die Spitze in der Automobiltechnik behalten, die das Fahren sicherer und effizienter machen wird.“ Damals war in der Nähe von Detroit ein Testgelände für autonome Fahrzeuge eröffnet worden. Nun hofft er, dass sein Beispiel Schule macht und die Vorschriften für den Betrieb dieser Autos in allen 50 amerikanischen Bundesstaaten vereinheitlicht werden.

Inzwischen hat die US-Sicherheitsbehörde National Highway Transportation Safety Administration (NHTSA) signalisiert, dass sie mit dem Flickenteppich unterschiedlicher Regeln aufräumen will. Die Unterschiede bringen nämlich bisweilen Probleme zutage. Das bekamen zum Beispiel vor einiger Zeit Testfahrer von Audi zu spüren, als sie mit einem autonomen Fahrzeug von Nevada nach Kalifornien unterwegs waren. An der Grenze mussten sie rechts ranfahren und umständlich die Nummernschilder wechseln, weil beide Staaten verschiedene Kennzeichen für solche Testreisen vorschreiben. ampnet/hrr


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