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Autozukunft – Autofahren ohne Fahrer

Wie sieht es mit unserer Autozukunft aus? Autonomes Fahren eines Autos ohne Fahrer-Eingriff ist spätestens seit der spektakulären Tour eines entsprechend ausgerüsteten Mercedes S-Klasse Fahrzeugs von Mannheim nach Pforzheim anlässlich der Spurensuche von Berta Benz ein vieldiskutiertes Thema. „Braucht uns das Auto noch?“

war daher die zugespitzte Frage eines Kolloquiums, das der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und der Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD) in Bonn veranstaltet haben.

Technisch kommt in nicht allzu ferner Zukunft das Auto auch ohne Fahrer aus. „Ob das autonome Fahren kommt, ist keine Frage, sondern wann?“ so DVR-Präsident Walter Eichendorf. Techniker und Verkehrspolitiker hoffen sogar darauf, gilt doch der Mensch als der größte Unsicherheitsfaktor im Verkehrsgeschehen. Experten gehen davon aus, dass Ende dieses Jahrzehnts zumindest auf Autobahnen vollautomatisiertes Fahren ohne Fahrereingriff möglich ist.

Dazu ist die Weiterentwicklung der bestehenden Assistenzsysteme für die Notbremsung, das Spurhalten, das automatische Ein- und Ausparken, die Abstandswarnung und das automatische Ausweichen notwendig.

In der folgenden Dekade soll das autonome Fahren auch auf Landstraßen uneingeschränkt möglich sein. Für die deutsche Autoindustrie ist dies eine gute Perspektive, ist sie mit ihren Zulieferern doch führend in der Entwicklung der Bausteine auf diesem Gebiet und verschafft sich damit auch einen Vorsprung gegenüber den Billiganbietern.

Verlockend dabei sind neben der möglichen Reduzierung der Unfallzahlen auch mögliche Vorteile beim Treibstoffverbrauch: Wenn der Verkehr stetig fließt, weil die Autos von alleine den Verkehrsfluss regeln, spart das Energie. Und beim Lkw lassen sich durch einen vorprogrammierten Sicherheitsabstand die Lkw-Schlangen so verkürzen, dass positive Windschatteneffekte für weniger Verbrauch und Abgasemissionen sorgen.

Bis dahin ist allerdings noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten. „In den USA hat man zwar bereits eine Million Testkilometer zurückgelegt, da das aber vor allem in verkehrsarmen Regionen stattfand, ist das noch nicht ausreichend“, sagte ARCD-Präsident Wolfgang Dollinger im Hinblick auf das vollautomatisierte Fahren in Innenstädten. Unklar sind auch juristische Fragen wie die Haftung, wenn etwa bei einem Ausweichmanöver des Autos ohne Zutun des Fahrers etwas schief geht. Und das Wiener Verkehrsabkommen der Verkehrsminister von 1968, da dachte man noch nicht an autonomes Fahren, schreibt vor, dass jedes Auto einen Fahrer haben muss, der in der Lage ist, das Fahrzeug zu kontrollieren. Wenn Assistenz-Systeme die Kontrolle übernehmen, vor allem solche, die sich nicht mehr abschalten lassen, muss zunächst diese internationale Vereinbarung, die auch die Grundlage unserer Straßenverkehrsordnung bildet, überarbeitet werden.

Noch völlig offen ist auch, welche Reaktionszeit ein Mensch braucht, der sich im „Abschalt-Modus“ befindet und dann plötzlich doch selbst eingreifen muss, weil eines der Assistenz-Systeme oder die zentrale Computersteuerung einen Ausfall meldet. Hier kommt die Psychologie ins Spiel, und Tobias Ruttke von der Universität Jena warnte vor Euphorie: „Es droht der Verlust der antrainierten Reflexe beim Menschen. Wenn dem Menschen die Übung für die Reaktion abtrainiert werde, könne man an ihn keine solche Anforderungen mehr stellen.

Wir funktionieren immer so, dass der Mensch nur soviel Aktivität aufbringt, die benötigt wird, um eine Situation zu bewältigen. Und wenn weniger Aufwand gefordert ist, lässt auch die Aufmerksamkeit nach“, warnt Ruttke. Und er sieht Parallelen zu Flugunfällen. Da ein Autopilot heute sicherer fliegt und bei Nebel besser landet als ein Berufspilot, zeige sich bei der Auswertung von Rekordern bei Flugunfällen auch häufig, dass die Piloten mit der Zeit ein Übervertrauen in die Technik entwickelten und Instrumentenanzeigen bewusst ignorierten („hat immer funktioniert, wird wohl nur eine Fehlanzeige sein“).

Psychologie und Überzeugungsarbeit werden auch gefragt sein, wenn Autofahrer auf die Aufgabe der Kontrollfunktion – vielleicht mit der Ausnahme des Stop-and-Go-Verkehrs – eingeschworen werden sollen. Bei einer Umfrage unter ARCD-Mitgliedern konnten sich 32 Prozent der Teilnehmer vorstellen, das autonome Fahren zu nutzen. 34 Prozent würden zumindest bei bestimmten Strecken den Computer ans Steuer lassen, und 34 Prozent der Befragten lehnten es völlig ab. Friedbert Weber/mid mid/friwe


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