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Fahrbericht Audi S1: Knüller unter den Knallkisten

Hier finden Sie den Fahrbericht Audi S1 mit den technischen Daten. Bei den Fans heißen sie cool „Hot Hatches“, Kompakt-Wagen mit viel Leistung. Nun mischt auch Audi in der Szene mit und packt seinem Kleinsten satte 231 PS und Allradantrieb unters Blech. Klar, dass der S1 damit der Konkurrenz locker um die Ohren fährt. Doch der Spaß hat seinen Preis.

Los gehts bei 29.950 Euro. Bis zur Markteinführung im Mai bleibt Zeit zum Sparen. Der Name ist Audi-Kennern nicht neu: „S1“. So hieß in den 80er-Jahren Audis Rallye-Gerät, mit dem unter anderem die Drift-Legende Walter Röhrl mächtig Staub aufwirbelte. Jetzt kommt das Kürzel zurück und zwar auf die Straße.

Angedroht hatte Audi das Power-Paket schon vor mehr als einem Jahr. Doch zunächst legte man eine limitierte Sonderserie von 333 Exemplaren namens A1 quattro auf. Jetzt heißt die technische Fortsetzung S1. Kernstück ist natürlich der Motor, intern EA888 oder Triple-Eight genannt. Er stammt in seiner Grundstruktur vom Golf GTI. Im S1 leistet der Zweiliter-Turbo 231 PS und schickt stramme 370 Newtonmeter ins Sechsganggetriebe. Da bedarf es nicht viel Fantasie zu erahnen, was diese Leistung mit einem nur 1200 Kilo schweren Kleinwagen anstellt. Zumal die Kraft bestmöglich auf alle vier Räder verteilt wird. 5,8 Sekunden gibt Audi für den Sprint von null auf 100 km/h an. Solch einen Wert hat man noch vor wenigen Jahren mit einem Porsche Carrera assoziiert. Und mit 250 km/h fährt der S1 in seiner Klasse auch bei der Höchstgeschwindigkeit auf Rekordniveau. Da dürfte so mancher Fahrer einer großen Limousine weder seinen Augen noch seinem Tacho trauen, wenn so ein Viermeter-Knirps bei diesem Tempo im Rückspiegel auftaucht.

Trotz aller Sportlichkeit verspricht Audi einen Normverbrauch von 7,0 Liter. Im Alltag und erst recht bei beherztem Gas dürfte der Durst wohl eher Richtung Zweistelligkeit tendieren. Selbstredend packt Audi in den A1 nicht nur einen fetten Motor. Klar, dass auch Fahrwerk und Bremsen der hohen Leistung angepasst werden mussten. Die elektromechanische Lenkung ist neu entwickelt, hinten flog gar die im normalen A1 verwendete Verbundlenkerachse raus und wurde durch eine Vierlenker-Konstruktion ersetzt, wie sie ähnlich auch der A3 nutzt. Hauptbremszylinder und Bremsscheiben wurden vergrößert sowie Lager verstärkt. Über den Schalter Audi drive select lässt sich die Motorcharakteristik (Ansprechverhalten) verändern und können die Stoßdämpfer in zwei Stufen variiert werden. Laut Audi einmalig in diesem Segment ist der Quattro-Antrieb, technisch gesehen ein permanenter Allradantrieb.

An der Hinterachse sitzt eine hydraulisch geregelte Lamellenkupplung, die im Bruchteil einer Sekunde die Kraft je nach Schlupf nach vorne oder hinten leitet. Und die Stabilisierungskontrolle ESC – in zwei Stufen abschaltbar – hilft durch gezielte Bremseingriffe an den kurveninneren Rädern zusätzlich, dass der Wagen noch flinker ums Eck geht, übernimmt sozusagen die Funktion einer elektronischen Quersperre. Das Zusammenspiel beider Systeme macht das Handling extrem agil, präzise und stabil, sagt der Technische Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Unter Beweis stellen konnte dies der S1 in Nordschweden auf Asphalt und Schnee. Selbst im provozierten Grenzbereich bleibt der kleine Audi stabil auf Kurs, lässt sich fast spielerisch mit Lenkung und Gaspedal durch die Kurven treiben, bleibt gutmütig und berechnend. Selten hat ein Serienauto bei solch einem Szenario so viel Spaß gemacht. Damit dies alles auch schon im Stand eindrucksvoll rüberkommt, verpasste Audi seinem kleinsten Modell ein entsprechendes Design.

Breit kauert der S1 auf dem Asphalt. Ab Werk sind 17-Zöller montiert, optional gibt es sogar 225/35 R 18. Xenon plus-Scheinwerfer, LED-Licht mit neuer Grafik am Heck, eine andere Front- und Heckschürze, Seitenschweller sowie vier Endrohre sollen zwar dezent, doch unmissverständlich zeigen: Achtung! Power im Anmarsch. Für mehr extrovertiert Veranlagte ist das optionale Paket quattro Exterieur gedacht, dass dem S1 sogar Flügel verleiht in Form eines großen Dachspoilers. Nach dem Motto „Black is beautiful“ haben Audis Designer den Innenraum weitgehend in Schwarz gehalten.

Die Instrumente haben dunkelgraue Skalen. Pistenfeeling sollen die Pedalkappen aus gebürstetem Edelstahl und das unten abgeflachte Lenkrad sowie die Sportsitze rüber bringen. Sie können sogar gegen noch tiefer ausgeprägte Pendants mit integrierten Kopfstützen ausgetauscht werden. Für die knapp 30.000 Euro Grundpreis, der viertürige Sportback-Bruder kostet 30.800 Euro, darf der Kunde nicht nur eine üppige Motorleistung, sondern auch eine entsprechende Ausstattung erwarten. Klimaautomatik, CD-Radio und Drive select sind serienmäßig. Darüber hinaus bietet Audi das ganze Spektrum an Infotainment, vom Navigationssystem bis zum WLAN-Hotspot. Nur auf das Doppelkupplungsgetriebe S-tronic müssen S1-Fahrer verzichten. Der Grund ist einfach: Es passte neben dem Zweiliter-Turbo nicht mehr in den Motorraum.

Bewertung: Plus: Souveräne Leistungsentfaltung, tolle Elastizität, präzise Kurveneigenschaften Minus: recht straffe Federung, beengtes Raumgefühl, kein Doppelkupplungsgetriebe bestellbar. Michael Specht/mid

Technische Daten Audi S1:

Drei- oder fünftürige, viersitzige Steilhecklimousine der Kompaktklasse, Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 3,98/1,74/1,42/2,47; Kofferraumvolumen: 210 bis 860 Liter, Wendekreis: 10,60 Meter, Leergewicht: 1 315 kg, max. Zuladung: 450 kg, Tankinhalt: 45 Liter. Motor: 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder-Benziner mit 170 kW/231 PS bei 6 000/min, manuelles Sechsgangschaltgetriebe, max. Drehmoment: 370 Nm bei 1 600/min bis 3 000/min, 0-100 km/h: 5,8 Sek., Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h, Verbrauch: 7,0 l Super auf 100 km, CO2-Emission: 162 g/km, Preis: 29 950 Euro. mid/MS

 


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