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Neue Volvo-Motoren im Praxis-Test

Seit kurzem gibt es für den Volvo V60 neben frischen Feinheiten beim Design auch Neues unter der Motorhaube. Auf den vor einem Jahr eingeführten Plug-in-Hybrid folgen nun ein sportlicher Benziner sowie ein starker Diesel. Der Schweden-Kombi mit moderaten Abmessungen und familientauglichem Innenraum soll mit guten Beschleunigungswerten und geringem Verbrauch überzeugen. Das klappt bei der Fahrt mit dem Testwagen allerdings nur fast so gut wie in der Theorie der Werksangaben.

Zunächst einmal erweist sich der mittelgroße Kombi als zugleich komfortables und handliches Fahrzeug. Bei den drei Testgängen entlang der Hamburger Elbchaussee und durch die grüne Umgebung der Hansestadt fällt die angenehme Federung auf, die Unebenheiten der Straße so geschmeidig abfängt, sodass man sich schon fast auf die nächste Bodenwelle freut. Die Lenkung manövriert das Fahrzeug präzise durch kurviges Gelände, auch wenn die Spurtreue nicht unbedingt Sportwagen-Niveau erreicht.

Bei der Antriebs-Technik bilden drei Motoren im Hause Volvo die Spitze der Modernität: Betont sportlich gibt sich der Vierzylinder-Benziner T5 mit 2,0 Litern Hubraum, 180 kW/245 PS Leistung, Direkteinspritzung und dem Achtgang-Automatikgetriebe „Geartronic“. In nur 6,4 Sekunden spurtet die Familienkutsche von 0 auf 100 km/h. Dafür muss die Automatik allerdings niedrige Gänge einlegen und die Drehzahlen weit nach oben schrauben. Und dann faucht der Ottomotor laut und hell wie eine junge Raubkatze. Dieses Geräusch ist fast noch etwas eindrucksvoller als die Beschleunigung selbst.

Bei mäßig zügiger Anfahrt an der Ampel schnurrt die Maschine seidig wie ein Sechszylinder. In Kombination mit der 8-Gang-Geartronic reagiert der Antrieb agil und flexibel auf den Tritt aufs Gaspedal. Die Schaltvorgänge spürt der Fahrer kaum: nichts ruckt. Allenfalls durch den recht häufigen Wechsel der Tonhöhe des Motorgeräuschs wird der Fahrer darauf aufmerksam. Bei höherem Tempo auf der Autobahn, auch jenseits der 130 km/h, arbeitet die Zwei-Liter-Maschine kultiviert und geräuscharm.

Doch ein Wunder an Sparsamkeit ist der Benziner nicht: Selbst bei weitgehend unsportlicher Fahrweise erweist er sich als durstiger als Volvo es in den Werksangaben voraussagt: 6,2 Liter Benzin pro 100 Kilometer sollen laut EU-Normwert durch die Leitungen des V60 fließen. Der Bordcomputer des Testfahrzeugs zeigte aber nach 40 Kilometern einen Durchschnittsverbrauch von mehr als neun Litern an – im Fahralltag herrschen nun mal keine Laborbedingungen.

Der neue Vierzylinder-Diesel eröffnet uns eine andere Motoren-Welt: Der D4 reagiert deutlich anders auf den Gas-Fuß als der Benziner. Die Kraft entfaltet sich bereits bei niedrigen Drehzahlen. In der Stadt kommt der Wagen auffallend hurtig voran. Im Vergleich zum Ottomotor fallen hier auch das etwas lautere Fahrgeräusch und die ein wenig stärkeren Vibrationen auf. Und im Bereich höherer Drehzahlen hat der 2,0-Liter-Motor mit seinen 133 kW/181 PS viel von seinem Pulver verschossen. Doch auch er macht den V60 zu einem flotten Gefährt: In immerhin 7,6 Sekunden spurtet der Selbstzünder mit Common-Rail Direkteinspritzung von 0 auf 100 km/h. Laut Werksangaben verbraucht der Dieselmotor durchschnittlich 3,8 Liter Kraftstoff auf 100 km. Auch nach dieser Testfahrt zeigte der Bordcomputer aber einen höheren Wert an ? knapp sieben Liter Diesel.

Sparmeister des Trios ist der Plug-in-Hybrid, der sich bei voller Aufladung der Batterie auf 100 Kilometern undurstige 1,8 Liter Dieselkraftstoff genehmigen soll. Freilich steckt auch bei der besten Technik der Teufel im Detail. Wird der Wagen an einem Tag häufig bewegt, ist die Batterie irgendwann leer. Dann schaltet die Hybrid-Steuerung häufiger auf den Verbrennungsmotor zur Hilfe um, was den Verbrauch kräftig ansteigen lässt. Am Ende der Testfahrt lag der Durchschnittsverbrauch bei etwas über vier Litern Diesel. Dennoch: Allein die Reichweiten-Angabe beeindruckt. Der V60 Hybrid könnte mit vollem Tank 1 300 Kilometer weit kommen – das steigert die Reiselust.

Der Hybrid ist der City-Star unter den drei Antrieben. Das fast lautlose Anfahren und die harmonische wie kraftvolle Zuschaltung des Dieselmotors bei Abruf der Kraftreserven bereiten großes Vergnügen. Während der Fahrt auf der Autobahn ist er indes kaum mehr vom einfachen Dieselfahrzeug zu unterscheiden. Einziger Nachteil des Hybrids: der vergleichsweise hohe Anschaffungspreis von 56 200 Euro. Die Karossen mit konventionellen Antrieben kosten gut 15 000 Euro weniger.

Fazit: Für jedes Temperament bietet Volvo im V60 die geeignete Maschine. Wer gerne flott in den Stadt unterwegs ist, findet mit dem Diesel D 4 einen durchzugsstarken Antrieb in unteren Drehzahlen. Sportlich orientierte Fahrer bekommen indes mit dem Benziner T5 mehr Spaß. Denn bei hohen Drehzahlen sorgt der Motor noch einmal für einen kräftigen Schub etwa auf der Beschleunigungsspur. Tank-Muffel sind im Plug-in-Hybrid am besten aufgehoben. Lars Wallerang/mid


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